Was Deine Depression Dir sagen will

Was Deine Depression Dir sagen will

Ich habe recht lange gebraucht um überhaupt zu akzeptieren, dass ich eine Depression habe. Dies zu akzeptieren war der erst Schritt um zu folgender wichtiger Erkenntnis zu gelangen. Diese Einsicht halte ich für fundamental wichtig um den ersten Schritt raus aus der Depression zu gehen. In einigen der Punkte wirst Du Dich sicherlich selbst wieder finden.

Was will Deine Depression Dir sagen?

  • dass mit Deinem Leben etwas nicht in Ordnung ist
  • dass Du an Deinem Leben etwas verändern musst um wieder gesund zu werden
  • dass Du zu schnell, zu hektisch, zu arbeitsreich, zu extrem gelebt hast
  • dass Du Deine Gefühle verdrängt und diese nie angeschaut hast
  • dass Du negative Emotionen nie zugelassen hast
  • dass Du zu vieles in Deinem Leben übertrieben hast
  • dass Du mal einen Gang runter schalten musst
  • dass Du Dich mit Deinem Inneren und Deinen Gefühlen beschäftigen musst
  • dass Du zu extrem gearbeitet hast
  • dass Du viel zu viel Stress hattest
  • dass Du viel zuwenig geschlafen hast
  • dass Du Dich viel zu ungesund ernährt hast
  • dass Du Dich viel zu wenig bewegt hast
  • dass Du Dir zu viele Sorgen gemacht hast
  • dass Du zuviel Alkohol getrunken und zuvíel geraucht hast
  • dass Du für zuwenig Entspannung gesorgt hast
  • dass Du zuwenig für Dich selbst gelebt hast
  • dass Du Dich zuwenig um Deine eigenen Bedürfnisse gekümmert hast
  • dass Du immer nur für andere da warst
  • dass Du nur noch funktioniert hast, anstatt zu leben

Hast Du Dich in einigen Punkte wieder erkannt? Man bekommt eine Depression meist nicht wirklich ohne Grund (es gibt sicher Fälle, in denen man Depressionen ohne Grund bekommt, das sind aber wahrscheinlich meist genetisch bedingte Fälle). Meistens gibt es eine oder mehrere Ursachen für eine Depression. Oft braucht es ein wenig Forschungsarbeit oder eine ausführlichere Retrospektive um herauszufinden was Deine Depression ausgelöst hat.

Aber so gut wie sicher ist es, dass Du etwas verändern musst wenn Du Deine Depression für immer hinter Dir lassen willst. Das Gemeine an der Sache ist, dass die Depression leider nicht sofort verschwindet wenn Du Dein Leben verändert hast, sondern dass es noch eine ganze Weile dauern kann bis die Depression nachlässt.

Will Deine Depression Dir sonst noch etwas sagen? Wenn ich etwas Wichtiges vergessen habe, dann schreib es mir bitte.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Stefan,

    vielen Dank für deine offenen Worte. Ich weiß nicht, ob ich noch etwas Wichtiges zu sagen habe. Im Rückblick glaube ich, dass ich meine Depressionen mit vielleicht 17 Jahren angefangen haben. Ein Trauma in meiner Familie damals, eine genetische Disposition sicherlich. Ich habe immer funktioniert, Abitur gemacht, studiert. Viele Beziehungen gescheitert, entweder bin ich gegangen oder ich habe so lange darauf hingearbeitet, bis der andere gegangen ist. Mit 29 eine Reise nach Guatemala als Backpacker, allein. Hat mein Leben verändert. Dachte ich. Ich habe meinen Ehemann kennengelernt, zwei Kinder bekommen. 14 gute Jahre. Und zu einem Zeitpunkt, an dem ich nicht mehr damit gerechnet hatte, eine Major Depression. Absolute Dunkelheit, Starre, Gefühllosigkeit, nur noch der Wunsch, sterben zu dürfen. Durchgehalten für die Kids. Krankenhausaufenthalte, Medikamente, Bücher, alternative Heilmethoden, Kampf. Am Leben geblieben, gearbeitet, mehr ging nicht. In einer Kur ist mir ein Mann über den Weg gelaufen, nicht gesucht. Nach 7 Jahren wieder leben wollen, lachen, Glück. Ich habe meinen Mann verlassen. 2 gute Jahre, dann wieder Depressionen. Jetzt ein anderer Weg, Akzeptanz, kein Kampf mehr. Schlechtes Gewissen. Unsere Ehe war nicht mehr gut, aber mein Mann hätte mich nicht verlassen. Heute lebt er mit seiner Freundin, es geht im gut. Die Hoffnung, dass ich für alle die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich komme zurecht, versuche, mir zuzuhören, Dinge zu ändern, Verhaltensweisen. Die Angst vor einem erneuten Einbruch. Die Erinnerung daran, dass ich mit 43 komplett aus dieser Welt gefallen bin. Cut. Ein weiteres Trauma möglicherweise. Und die Erkenntnis, dass auch meine jetzige Beziehung mich nicht retten wird. Meine Mutter war emotional überfordert, keine Liebe. Immer das Gefühl als Kind, eine Last zu sein. Mein Vater seelisch krank, Alkoholiker, Frauen, Unberechenbarkeit, Missbrauch. Das ganze Programm. Vielleicht habe ich immer nach einem Vater gesucht, einem “richtigen” Vater. Und die bittere Erkenntnis, dass ich das nie bekommen werde. Und dass ich mir letztendlich nur selber helfen kann. Und hoffe, dass die Kraft reicht. Ich bin 57, verdiene eine Menge Geld, Leistung und Funktionieren war nie das Problem. Aber darum geht es nicht. Da ist irgendetwas, zu dem ich keinen Zugang mehr habe. Und die Hoffnung, dass da ja mal etwas sehr Schönes war. Ich suche nicht mehr. Vielleicht finde ich es ja wieder, irgendwann. Alles Gute für dich!

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