So findest Du einen guten Psychotherapeuten – meine Empfehlungen

Einen guten Psyhotherapeuten finden

In diesem Artikel schildere ich meine Erfahrungen, wie man am besten einen guten Psychotherapeuten findet.

Zu Beginn meiner zweiten Depression war ich überzeugt davon, dass ich Hilfe brauche und nicht nocheinmal allein und ohne Hilfe durch die Depression gehen kann, wie bei meiner ersten Depression vor elf Jahren. Ich war direkt nach meinem Zusammenbruch bei einem Psychotherapeuten gelandet, der gleich in der Nähe meiner Wohnung seine Praxis hatte. Ich konnte sofort zu ihm kommen und er hatte auch sofort einen Therapieplatz für mich frei. Was am Anfang als einfach und Glücksfall erschien hat sich dann etwas später als großer Fehler herausgestellt. Das Verhältnis zu diesem Psychotherapeuten hatte sich immer negativer entwickelt und heute würde ich sogar sagen, dass es der schlechteste Psychotherapeut der Stadt ist.

Wenn Du bei Deiner Suche nach einem Psychotherapeuten auf einen Therapeuten stößt, der sofort einen Termin frei und sofort einen Therapieplatz für Dich hat, ist das mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein deutliches Zeichen dafür, dasss es ein schlechter Psychotherapeut ist. Denn alle guten Therapeuten haben mehr oder weniger lange Wartelisten und Wartezeiten. Und es lohnt sich definitiv ein paar Wochen auf eine gute Psychotherapie zu warten. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass sich auch ein halbes Jahr warten auf eine gute Psychotherapie lohnt. Einl paar Wochen oder gar ein halbes Jahr zu warten ist besonders in der Akutphase einer Depression natüßrlich zielich unerfreulich. Deshab hier nun meine Tipps wie Du zum einen schnellstmöglich Hilfe bekommst, andererseits aber trotzdem auch einen guten Psychotherapeuten findest:

Die folgende Empfehlung gilt, wenn Du nicht akut selbstmordgefährdet bist oder in Gefahr bist Dir selbst etwas anzutun. Wenn Du Dich in Lebensgefahr befindest rufe bitte stattdessen sofort Notruf 112 oder die Telefonseelsorge unter Telefon 0800/1110111. Ein Blog kann Dich in so einer akuten Notlage nicht ausreichend unterstützen. Die Notrufleitstelle und die Telefonseelsorge sind auf solche Notlagen vorbereitet.

Schritt 1: Um die Wartezeit auf der Suche nach einem Psychotherapeuten zu überbrücken gehst Du am besten zu aller erst zum sozialpsychiatrischen Dienst Deiner Stadt. Dort hilft man Dir als Überbrückung bis Du einen eigenen Psychotherapeuten gefunden hast. Außerdem hat der sozialpsychiatrische Dienst Deiner Stadt Erfahrung mit den meisten Psychotherapeuten vor Ort und kann inoffiziell Empfehlungen aussprechen welche Psychotherapeuten gut sind (offiziell darf der sozialpsychiatrische Dienst keinen bestimmten Psychotherapeuten empfehlen). Der große Vorteil ist, dass Du beim sozialpsychiatrischen Dienst recht schnell einen Termin bekommst und damit dann quasi erst mal eine Erstversorgung bekommst.

Schritt 2: Wenn Deine Depression sehr schwer ist, und es danach aussieht, dass Du Medikamente brauchst oder dass Du das Gefühl hast, dass Du es ohne Medikamente nicht schaffst, dann suche einen Psychiater in Deiner Stadt auf. Am besten einen Psychiater, der rein auf medikamentöse Behandlung spezialisiert ist und sich auf diesem Gebiet dann auch wirklich sehr gut auskennt. Das wird Dir Deine Depression sehr erleichtern und ist bei sehr schweren Depression oft sogar Voraussetzung um therapiefähig zu werden. Von Psyhciatern, die neben der Medikamentierung auch noch gleichzeitig therapieren halte ich nichts. Suche Dir einen Psychiater, der wirklich nur die Behandlung mit Medikamenten macht und darin dann auch Profi ist. Auch eine Verschreibung von Psychopharmaka vom Psychotherapeuten über den Hausarzt halte ich für bedenklich. Denn dann bekommst Du Medikamente, die Dir kein Profi für Psychopharmaka verschrieben hat. Gehe mit einer Depression auch lieber nicht zum Neurologen. Dort bekommst Du meist zwar auch Psychopharmaka aber auch der Neurologe ist in der Regel kein Profi in Sachen Psychopharmaka.

Schritt 3: Du hast jetzt eine Erstversorgung durch den sozialpsychiatrischen Dienst. Das dürfte Deine Situation schon etwas verbessert haben, da Du nicht mehr alleine im Regen stehst. Wenn Du Dich für Medikamente entschieden hast und beim Psychiater warst, wird Deine Depression jetzt zwar nicht weg, aber schon viel leichter zu ertragen sein. Zeit für Schritt drei auf der Suche nach einem guten Psychotherapeuten. Jetzt geht es darum herauszufinden wer denn ein guter Psychotherapeut ist. Die ersten Hinweise dazu konnte Dir bereits der sozialpsyhciatrische Dienst geben. Gute Tipps zu guten Psychotherapeuten bekommst Du oft auch von guten Heilpraktikern. Wenn Du einen guten Heilpraktiker hast, dem Du vertraust, frage dort nach welchen Psychotherapeuten er/sie empfiehlt. Meine Heilpraktikerin hat mir eine Psychotherapeuting empfohlen, die sich später im Erfahrungsaustausch mit anderen als beste Psychotherapeutin der Stadt herausstellte. Eine weitere gute Möglichkeit ist es im Bekannten- und Freundeskreis herumzufragen. Als ich meine zweite Depression bekam und recht offen damit umging, entdeckte ich überraschend viele Leute im Bekanntenkreis, die ebenfalls schon mit Depressionen zu tun hatten. Deine Freunde und Bekannten können Dir berichten mit welchen Psychotherapeuten sie gute Erfahrungen gemacht haben.

Schritt 4: Du hast nun eine Liste mit Namen von Psychotherapeuten, die Dir von verschiedenen Seiten empfohlen wurden. Jetzt kommt der schwerste Teil: Du musst die Psychotherapeuten anrufen und einen Termin für ein Erstgespräch vereinbaren. Meist haben Psychotherapeuten eingeschränkte Telefonzeiten und sind nur an zwei Tagen in der Woche für eine halbe Stunde telefonisch erreichbar. Am besten Du recherchierst vorab im Internet zu welchen Zeiten die Therapeuten Deiner Empfehlungsliste erreichbar sind. Das heißt aber leider noch nicht, dass Du die Therapeuten während der Sprechzeiten tatsächlich auch erreichst. Ich habe oft mehrere Anläufe gebraucht um überhaupt einen der guten Psychotherapeuten ans telefon zu bekommen. Während einer Depression fällt einem das oft sehr schwer aber hier hilft nur Hartnäckigkeit und dran bleiben. Rufe bei den Therapeuten von Deiner Empfehlungsliste immer wieder an bis Du jemanden erreichst und einen Termin für ein Erstgespräch vereinbaren kannst. Blein dran, der Aufwand und die Anstrengung wird sich lohnen. Wenn Du Glück hast bekommst Du einen Termin für ein Erstgespräch in vier bis acht Wochen nach Deinem Anruf. Wenn Du Pech hast, kann es leider auch länger dauern. Wenn Du gleich auf Nummer sicher gehen willst mache gleich bei mehreren Psychotherapeuten einen Termin für ein Erstgespräch aus. Es kann sein dass Du mit einem Psychotherapeuten gar nicht zurecht kommst und dann lieber zu einem anderen gehst.

Schritt 5: Herausfinden, ob der Psychotherapeut zu Dir passt. Wenn Du einen Psychotherapeuten zum ersten Mal aufsuchst hast Du zusätzlich zum Erstgespräch fünf sogenannte approbatorische Sitzungen, sprich Probesitzungen, in denen Du herausfinden kannst, ob der Psychotherapeut zu Dir passt und ob Du mit ihm arbeiten kannst. Unterschreibe auf keinen Fall gleich in der ersten Sitzung einen Therapieantrag. Mein erster, schlechter Psychtherapeut hatte mir gleich beim Erstgespräch einen Zettel zum unterschreiben gegeben, der sich später als Therapieantrag herausstellte. Dumm gelaufen, da hatte er mich leider gelinkt. Wenn Du das Gefühl hast, dass  Du mit dem Psychotherapeuten gut arbeiten kannst, dann kannst Du guten Gewissens einen Therapieantrag unterschreiben. Wenn es Deine erste Therapie ist, wird Die Krankenkasse ohne weiteres eine sogenannte Kurzzeittherapie über 25 Einheiten genehmigen. Herzlichen Glückwunsch, Du bist nun bei einem guten Psychotherapeuten in Therapie!

Der Vollständigleit halber hier noch der Hinweis, dass auch die Kassenärztlichen Vereinigungen der jeweiligen Bundesländer Therapieplätze vermitteln. Meist geschieht dies über eine Online-Plattform. Die allerwenigsten Therapeuten melden aber Ihre freien Therapieplätze auf diesen Online-Portalen. Du kannst das gerne versuchen, aber mach Dir keine großen Hoffnungen, dass Du auf diesem Weg einen guten Therapeuten findest.

Hast Du Fragen oder selbst persönliche Erfahrungen und Empfehlungen bei der Suche nach Psychotherapeuten? Dann ab damit in die Kommentare.

 

Haftungsauschluss: Ich bin kein Arzt und schreibe auf diesem Blog lediglich über meine persönlichen Erfahrungen mit meinen Depressionen. Alle Inhalte auf diesem Blog stellen kein Heilversprechen und keine Therapie dar. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Das ist in der Tat eine sehr gute Idee. Die jeweiligen Selbsthilfegruppen vor Ort haben sicherlich gute Tipps welche Psychotherapeuten am besten sind. Vielen Dank für Deinen Hinweis.

  1. Zu Schritt 2 würde ich abweichend sagen:

    1. Nach meiner Erfahrung ist eine Psychiater-Neurologe-Kombination recht sinnvoll, weil ja vor der finale Diagnose „Depression“ immer zuerst auch organische Ursachen abgeklopft werden müssen. Ein Psychiater-Neurologe kann somit den neurologischen Part mit erledigen, ohne daß man dafür einen eigenen Spezialisten aufsuchen muß – was ja auch immer eine Termin- und Zeitfrage ist.

    2. Die medikamentöse Erst-Unterstützung durch einen guten Hausarzt kann sehr sinnvoll sein, wie in meinem Fall: Mir hat mein Hausarzt damals bei meinem akuten Zusammenbruch einen SSRI – Citalopram – verschrieben mit 20 mg, was mir sehr dabei geholfen hat, die drei Monate bis zum Termin beim Psychiater durchzustehen. Ja, das Medikament war in meinem Fall nicht ganz das richtige, weil es leicht negative Auswirkungen auf mein QT-Intervall im EKG hatte. Daher hat der Psychiater es drei Monate später dann durch Fluoxetin ersetzt. Trotzdem denke ich: Solange ein Hausarzt im ersten Schritt nur „leichte“ und grundsätzlich gut erprobte SSRI verordnet, kann das ein echter Segen sein. Nur von schwereren Hämmern wie MAO-Hemmern, trizyklischen AD’s oder Beruhigungsmitteln wie Tavor sollte man bei der Akutbehandlung über den Hausarzt vielleicht Abstand nehmen – da können die Nebenwirkungen schon deutlich gravierender sein.

    • Hallo Alex,
      ich kann Dich sehr gut verstehen. Ich finde es gut, wenn auch noch andere Betrachtungsweisen dazu kommen. Ich finde Deine Erfahrung sehr wertvoll, gerade weil sie eben Punkte ausleuchtet, die ich aus meinem Blickwinkel selbst noch nicht so betrachtet hatte. Ich überlege wie ich den Artikel sinnvoll ergänzen oder abwandeln kann, damit auch Deine Punkte angemessen Berücksichtigung finden. Denn ich bin immer bereit dazu zu lernen.
      Vielen Dank und liebe Grüße
      Stefan

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