Dinge die manchmal helfen wenn Du Depression hast – Behandlungsmöglichkeiten bei Depressionen

Hilft gegen Depressionen

Ich habe diesen Artikel, den ich persönlich sehr gut und informativ finde, von Scott Alexander, aus dem Englischen übersetzt. Den original Artikel findest Du hier. Der Beitrag ist recht lang, aber es lohnt sich auf jeden Fall ihn zu lesen wenn Du eine Depression hast.

Einige meiner Freunde, die an Depressionen leiden, haben mich um meinen Rat gefragt.

Meine Empfehlungen werden den offiziellen wissenschaftlichen Empfehlungen unterlegen sein aber Du wirst wahrscheinlich die offiziellen wissenschaftlichen Empfehlungen sowieso nicht lesen, sondern eher diesen Text hier. Nur damit das klar ist, alle Meinungen in diesem Artikel sind meine eigenen Ansichten und nicht die Ansichten des Krankenhauses für das ich arbeite, sie stellen keine offizielle ärztliche Empfehlung dar und ich bin bekannt dafür an wilden experimentellen Ideen für mein eigenes Wohl interessiert zu sein. Du liest diesen Artikel auf eigene Gefahr. Ich bin derzeit noch Assistenzarzt (also noch ein ganz junger Doktor) und meine Erfahrungsschatz ist noch klein verglichen mit Experten mit großer Erfahrung.

Insgesamt denke ich, dies ist eher ein Startpunkt für Deine eigenen Recherchen als dass ich erwarten würde, dass Du der geschriebenen Anleitung Wort für Wort folgst.

Und noch eine weitere Entschuldigung: Ursprünglich hatte ich versucht Links zu entsprechenden Studien zu jedem Standpunkt hinzuzufügen, aber es gibt so viele Studien, und es ist so einfach jede davon in der Luft zu zerreißen. So dass ich entschieden habe, dass die Auflistung aller Beweise diesen Artikel mehr als zehnmal so lang und viel mehr akademisch machen würde. Ich mach das Ding a la „perfekt ist der Feind von gut genug“ und versuche diesen Artikel überhaupt fertig zu bekommen. Ich diskutiere gerne Beweise oder das Fehlen solcher, für jede einzelne Behandlungsmethode, gerne in den Kommentaren (siehe dazu den Link zum original Artikel (Stefan)).

Nun da dies vorüber ist will ich zuerst herausfinden ob Du Hilfe brauchst. Dann werde ich Dir empfehlen zu einem Psychiater zu gehen. Dann werde ich akzeptieren, dass in der Realität viele Leute, aus welchen Gründen auch immer, nicht zu einem Psychiater können oder wollen und dann eben widerwillig Änderungen im Lebensstil empfehlen. Dann werde ich akzeptieren das in der Realität viele Leute aus welchen Gründen auch immer keine Änderung ihres Lebensstils vollziehen können oder wollen und werde widerwillig einige frei verkäufliche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel empfehlen, die hilfreich sein mögen.

I. Hast Du eine Depression?

Eine manifeste depressive Störung ist der klinische Zustand der am besten dem entspricht was Menschen normalerweise meinen wenn sie „Depression“ sagen. Nur ein approbierter Arzt kann offiziell beurteilen ob Du eine manifeste depressive Störung hast oder nicht. Aber wenn Du Dich die ganze Zeit über nur miserabel fühlst, bist Du vielleicht auch in der Lage das selbst abzuschätzen.

Der PHQ-9 Fragebogen ist ein wohlbekanntes und bestätigtes Hilfsmittel um Depressionen zu beurteilen. Du kannst den Test auf der verlinkten Seite machen. Der Test kann Dich nicht offiziell diagnostizieren, aber nocheinmal, er kann Dir helfen es gut selbst abzuschätzen und wenn Du eine hohe Punktzahl erreichst bewegt es Dich möglicherweise dazu zu einem Arzt zu gehen.

Es gibt insgesamt überhaupt keine Epidemie von perfekt gesunden Leuten die sich fälschicherweise selbst als depressiv diagnostiziert haben, aber es gibt ein paar Dinge an die man denken sollte:

  • Du kannst eine Depression haben wenn Du einen guten Grund dafür hast deprimiert zu sein – z.B. wenn Du deprimiert bist weil Du Deinen Job verloren hast. Wenn Du Symptome hast, die länger als zwei Wochen andauern, dann zählt das als Depression. Diese Art der Depression scheint auf die selbe Behandlung anzusprechen wie Depressionen, die ohne jeden Grund auftauchen.
  • Depressionen dauern normalerweise eine lange Zeit. Depressive Episoden dauern normalerweise Wochen bis Monate. Jemand, der, nachdem etwas geschehen ist, für einen oder zwei Tage deprimiert ist, hat höchstwahrscheinlich keine Depression. Selbst wenn man ohne Grund für ein oder zwei Tage außerordentlich und übertrieben deprimiert ist, so sehr dass es wie eine mentale Störung erscheint, könnte es auch eine mentale Störung sein.
  • Menschen mit bipolarer Störung ( manisch depressive Störung ) sind oft nur zeitweise depressiv. Die depressiven Episoden können lange Zeit dauern, genauso wie bei einer normalen Depression. Die bipolare Störung ist jedoch eine komplett andere Krankheit und benötigt komplett andere Behandlungsmethoden. Wenn Du manchmal manische Episoden hast – einige Tage oder Wochen mit abnormal hoher Energie, abnormal wenig Schlaf, abnormal hohem Selbstbewusstsein, abnormal kurze Geduld und wenig Impulskontrolle – dann hast Du möglicherweise eine bipolare Störung anstatt einer Depression. Wenn Dein Arzt oder Psychiater bei Dir Depressionen diagnostiziert hat und begonnen hat Dich mit Antidepressiva zu behandeln, Dir es damit aber scheinbar nicht besser geht, dann hast Du Dein Problem gefunden. Erzähle Deinem Arzt höflich von Deinen manischen oder hypomanischen Episoden und frage ihn ob er Dich stattdessen nicht vielleicht lieber mit bipolarer Störung diagnostizieren möchte.

II. Bitte gehe zu einem Arzt.

Wenn Du Depressionen hast, ist das Beste was Du tun kannst, zu einem Arzt zu gehen. Ein Arzt kann Dich diagnostizieren und Dir hilfreiche verschreibungspflichtige Medikamente, wie z.B. Antidepressiva, verschreiben. Du musst nicht zu einem Psychiater gehen um Antidepressiva zu bekommen. Auch Dein Hausarzt darf Dir Antidepressiva verschreiben. Du musst nur dann wirklich zu einem Psychiater wenn die Behandlung Deiner Depression mit den normalen Medikamenten nicht anschlägt und jemand einen etwas ausgefeilteren Plan zur Behandlung Deiner Depression ausarbeiten muss. (Meine persönliche Meinunng ist, dass Du immer zu einem Psychiater gehen solltest, weil Hausärzte mit der professionellen Medikamentierung von Psychopharmaka nicht so vertraut sind, (Stefan)).

Der Fehlermodus von Hausärzten, den ich am häufigsten sehe, sieht in etwa so aus:

Patient: Ich habe Depressionen.
Doktor: Hier, nehme ein SSRI ein.
Patient: ( drei Monate später ) Ich habe immer noch Depressionen.
Doktor: Also, nehmen Sie das SSRI, das ich Ihnen verschreiben habe weiter. Ich bin sicher, dass es damit möglicherweise besser wird.
Patient: ( sechs Monate später ) Ich habe immer noch Depressionen.
Doktor: Hmm, ich habe Ihnen doch schon ein SSRI verschrieben, was wollen Sie denn noch von mir?

Es gibt ein Dutzend verschiedene Medikamente gegen Depressionen. Wenn eines davon nicht wirkt, wirkt mit ziemlicher Sicherheit ein anderes. Die Behandlung einer Depression ist deshalb schwierig weil man im Voraus nicht weiß welches Medikament im individuellen Fall helfen wird. Die richtige Lösung ist es, mit den sichersten Medikamenten anzufangen, schauen ob diese wirken oder nicht und schrittweise auf stärkere Medikamente umzustellen, die meist aber auch mehr Nebenwirkungen haben. Aber das funktioniert nicht wenn Dein Arzt Dir sagt, Du sollst das, was er Dir verschrieben hat für immer weiter nehmen, ob es nun wirkt oder nicht.

Viele Menschen sind zögerlich ihren Arzt bei solchen Sachen nochmal zu hinterfragen. So lass mich Dir einen ungefähren Algorithmus geben, dem Du folgen kannst, wenn Du wegen Depressionen zu einem Arzt oder Psychiater gehst. Viele Ärzte haben sehr gute Gründe um von diesem Algorithmus abzuweichen, aber wenn es ein netter Arzt ist sollte er gewillt sein, Dir zu Deiner Zufriedenheit zu erklären, was seine Gründe dafür sind.

1. Organische Ursachen ausschließen

Wenn Dein Arzt Dich mit Depression diagnostiziert, wird er wahrscheinlich Bluttests mit Dir machen. Die wichtigsten sind der Test auf eine Schilddrüsenunterfunktion und auf Blutarmut. Schilddrüsenunterfunktion und Blutarmut sind Krankheiten, die eine Depression verursachen können. Wenn Du eines davon hast, dann wird Dir eine psychiatrische Behandlung Deiner Depression nicht helfen und wird auch die zugrunde liegende und potentiell gefährliche Krankheit nicht behandeln.

Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion können, neben einer Depression, folgende sein: Dir ist ungewöhnlich kalt, Du nimmst zu obwohl Du Dich ausgewählt ernährst, Verstopfung, fahle trockene Haut, Schwäche, gestörter Menstruatiosnzyklus bei Frauen. Mit einem Bluttest ist es leicht zu entdecken und mit Schilddrüsenhormonen ist es auch leicht zu behandeln, aber jemand muss zuerst einmal danach gesucht haben.

Symptome einer Blutarmut können, neben einer Depression, folgende sein: Du siehst sehr blaß aus, Du fühlst Dich schwach und müde, gelegentlich Picazismus, das ist der Drang Dinge zu essen, die kein Essen sind, z.B. Dreck oder gefrorenes Wasser. Blutarmut tritt häufig bei Frauen mit starker Periode auf. Es ist mit einem Bluttest leicht zu entdecken und mit Eisenpräparaten auch leicht zu behandeln.

Wenn Du mit Psychopharmake gegen Depressionen behandelt wirst und es Dir nicht hilft, und Du einige der Symptome hast und niemand zuvor Bluttests mit Dir durchgeführt hat, frage Deinen Doktor höflich ob Du auf Schilddrüsenunterfunktion und Blutarmut untersucht wurdest ( oft wird Blut abgenommen und später einfach nur vergessen ). Falls Dein Blut nicht untersucht wurde, frage höflich nach warum es nicht untersucht wurde. Wenn Dein Arzt dafür keinen guten Grund hat und Deine Depression einfach nicht besser wird, frage Deinen Arzt höflich ob er denkt, dass es eine gute Idee sein könnte auf Schilddrüsenunterfunktion und Blutarmut zu testen. Und vielleicht auch auf Vitaminmangel zu testen ( da sind die meisten Ärzte in Deutschland aber eher nicht begeistert auf Viaminmangel zu testen (Stefan)).

2. Wähle zwischen Pharmakotherapie und Psychotherapie oder beidem

Viele oder die meisten Ärzte und Psychiater werden annehmen, dass Du Medikamente möchtest. Das ist in den meisten Fällen eine ziemlich gute Annahme. Medikamente und Psychotherapie sind in etwa gleich effektiv in der Behandlung von Depressionen aber Psychotherapie kostet viel mehr, braucht mehr Zeit und ist viel schwieriger von der Versicherung erstattet zu bekommen ( der Artikel stammt aus dem amerikanisch Englischen. In Deutschand ist es in der Regel überhaupt kein Problem eine Kurzzeittherapie genehmigt zu bekommen, besonders wenn man zum ersten mal depressiv ist (Stefan)).

Trotzdem, viele Leute, dei eine Psychotherapie bevorzugt hätten, bekommen niemals diese Option (gilt nicht für Deutschland (Stefan)). Und wenn Du viele verschiedene Medikamente ausprobiert hast versuchst Du Dein Glück vielleicht mit Psychotherapie. Du kannst Dir entweder von Deinem Arzt einen Psychotherapeuten empfehlen lassen oder Du machst Dich selbst auf die Suche nach einem guten Psychotherapeuten.

Die kognitive Verhaltenstherapie ist eine nette neutrale Therapie gegen Depressionen, mit einer so hohen Erfolgsrate wie auch jede andere Therapie. Diese besteht in der Regel aus mehreren Sitzungen, in denen Du mit jemanden darüber sprichst, wie und auf welche Art Du mit Problemen umgehst und möglichwerweise bekommst Du auch Hausaufgaben. Es wird dabei nicht über Deine Mutter und nicht über Deinen sexuellen Fetisch gesprochen.

Psychotherapie und Medikamente zusammen haben eine höhere Erfolgsrate als eines davon alleine.

3. Fange mit einem SSRI an

SSRIs sind die allgemein meistbenutzten antidepressiven Medikamente. Sie sind nicht stärker und nicht schwächer als andere Antidepressiva, aber sie haben weniger Nebenwirkungen, was diese zur ersten Wahl macht.

Es gibt viele Sorgen darüber, dass SSRIs bei leichten bis mittelschweren Depressionen nicht viel besser als ein Placebo sind (wobei fast jeder zustimmt, dass sie sehr effektiv bei schweren Depressionen sind). Einige Studien bestätigen diese Befürchtung, andere Studien haben diese aber auch widerlegt. Ich tendiere zu „marginal besser als ein Placebo“. Jedoch ist dies eine komplett akademische Debatte für Dich, denn Du wirst auf jeden Fall kein Placebo bekommen. Deine Wahl besteht zwischen SSRIs oder nichts. Jeder und überall stimmt dem zu, dass SSRIs viel besser sind als nichts.

Alle SSRIs sind ungefähr gleich wirksam. Die Wahl Deines Arztes oder Psychiaters für ein bestimmtes SSRI hängt davon ab welche Nebenwirkungen Du am ehesten bereit bist zu tolerieren, welche Form Deine Depressionen konkret haben und welches Pharmaunternehmen die meisten Stifte und Kaffeetassen mit ihrem Logo darauf verteilt. Citalopram oder Escitalopram sind eine gute erste Wahl für die meisten Betroffenen aber es ist schwierig hierbei eine grundlegend falsche Entscheidung zu treffen.

Bupropion ist kein SSRI aber trotzdem ebenfalls eine angemessene erste Wahl. SNRIs wie zum Beispiel Venlafaxin, sowie Mirtazapin sind eine etwas sonderbare eigene Klasse an Medkiamenten die für bestimmte Menschen genauso okay sind. Wenn Deine Depression sehr schwer ist könnte Dein Arzt eventuell einen Schritt tiefer im Algorithmus springen was aber genauso in Ordnung ist. Manche Psychiater mögen auch eigensinnige Präferenzen haben, was möglicherweise auch ok ist, wenn er es Dir mit einer Begründung erklären kann.

Viele Leute befürchten die Nebenwirkungen von SSRIs. Meiner Meinung nach sind diese Sorgen übertrieben. Die häufigste Nebenwirkung ist ein verringerter Sexualtrieb, was etwas mehr als die Hälfte der Leute betrifft. Andere Nebenwirkungen sind Übelkeit, Durchfall, Schlaflosigkeit und Gewichtszunahme, die aber viel seltener auftreten. Diese Nebenwirkungen sind üblicherweise vorübergehend und verschwinden sobald man das Medikament nicht mehr nimmt. Wenn Du Dir Gedanken um die sexuellen Nebenwirkungen machst, dann ist Bupropion, das diese Nebenwirkung viel unwahrscheinlicher hat, eine Alternative mit dem Kompromiss andere Nebenwirkungen wie z.B. Schlaflosigkeit zu haben.

Manche Antidepressiva haben Absetzerscheinungen, die Dich krank fühlen lassen während Du die Medkiamente absetzt. Venlafaxin und Paroxetin scheinen da besonders schlimm zu sein. Ein kompetenter Arzt oder Psychiater wird Deine Medikamente langsam reduzieren um Absetzerscheinungen zu vermeiden.

4. Gib dem Medikament eine Weile zu wirken

Antidepressiva brauchen eine Zeit lang um zu wirken.

Das ist weniger wahr als noch eine Weile früher. Üblicherweise glaubte man, dass sie erst nach einigen Wochen wirkten. Wobei heutzutage weiß man, dass es auch manchmal eine sehr schnelle Verbesserung geben kann. Manchmal aber auch nicht. Obwohl Du innerhalb von einer Woche oder zwei auf eine Verbesserung hoffen kannst, gib dem Anidepressivum zumindest vier Wochen Zeit um zu wirken, nur um sicher zu gehen, dass Du es nicht zu früh absetzt und die Chance verpasst.

Wenn Du keine vier Wochen warten kannst, ziehe Mirtazapin in Erwägung, welches etwas schneller wirkt. Aber es wird trotzdem nicht mit dem Einwerfen einer Tablette erledigt sein, dass Du Dich sofort besser fühlst.

5. Fummel herum

Wenn ein Medikament im ersten oder zweiten Monat ein kleines bisschen zu wirken scheint, könnte es nützlich sein die Dosis zu erhöhen.

Wenn es im ersten oder zweiten Monat überhaupt gar nicht wirkt, könntet Du immer noch versuchen die Dosis zu erhöhen aber Du könntest auch genauso gut das Medikament wechseln wollen. Zum Beispiel, wenn ein SSRI nicht wirkt, versuche auf ein anderes SSRI zu wechseln.

Wenn SSRIs bei dir nicht wirken, könnte das ein guter Zeitpunkt sein um Antidepressiva von anderen neuen Klassen auszuprobieren. Venlafaxin, Mirtazapin und Bupropion wäre drei sehr gute Auswahlmöglichkeiten. Alle drei sind ziemlich sicher und allgemein in Verwendung. Du könntest auch auf ein trizyklisches Antidepressivum wechseln, welche ein klein wenig mehr Nebenwirkungen haben als die Antidpressiva der neueren Generation, die aber manchmal bei bestimmten Patienten sehr erfolgreich sein können wenn SSRIs versagt haben.

Falls kein Medikament einzeln wirkt, könnte es sein, dass Dein Arzt Dir eine Kombination aus mehreren Medikamenten verschreibt um zu sehen ob das hilft.

6. Jetzt wirds ernst

Wenn die Behandlung mit SSRIs und dem üblichem Ersatz für SSRIs fehlgeschlagen ist, dann kommen die ernsteren Mittel zum Einsatz. Üblicherweise haben diese Medikamente mehr Nebenwirkungen oder sind noch etwas experimentell. Diese Medikamente werden Dir eher von Deinem Psychiater verschrieben und nicht mehr von Deinem Hausarzt.

Atypische Antipsychotika haben sich als ziemlich efektiv gegen Depressionen erwiesen. Bedauerlicherweise haben diese viele Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme und erhöhtes Risiko für Diabetes. Abilify hat weniger dieser Nebenwirkungen, was es zu einer populären Wahl macht. Seroquel hat ein paar Nebenwirkungen mehr aber dafür hilft es auch gegen Ängste und unterstützt den Schlaf, was es ebenfalls sehr populär macht. Olanzapin hat eine gute Datenlage bezüglich seiner antidepressiven Wirkung aber seine Nebenwirkugen können heftig sein. Ich wäre dementsprechend eher widerwillig dieses im Vergleich zu den anderen beiden zu verschreiben.

MAOIs sind eine alte Stoffgruppe, die aus der Mode kamen als SSRIs auf den Markt kamen. Viele Patienten erinnern sich liebevoll an diese Medikamente zurück. Anekdoten besagen, dass diese sehr mächtig waren und den Menschen eine sehr gute Stimmung gaben. Jedoch hatten diese die schlechte Angewohnheit einem Blutdruckkrisen zu unpassenden Zeiten zu bescheren wenn man etwas falsches gegessen hat. Wobei etwas falsches gegessen eine lange Liste an Lebensmitteln umfasst über die Dich der Arzt vorab aufklären muss bevor er Dir diese Medikamente verschreiben darf. Nur um Dich vorzuwarnen, Käse, Bier und Schokolade sind definitiv Bestandteil dieser Liste. Die Europäer scheinen eine weniger gefährliche Variante der MAOI namens Mobeclomid zu haben, welches in Amerika noch nicht zugelassen ist, aber ich weiß leider nichts sonst über dieses Medikament.

Äußerst selten werden Schilddrüsenhormone als Zugabe zu Antidepressiva gegeben, aber es gibt vorläufige Beweise dafür, dass dies genauso effektiv ist wie Lithium aber mit weniger Nebenwirkungen, sogar für Menschen ohne offensichtlich zugrunde liegende Schilddrüsenprobleme.

Lithium ist ein Stimmungsstabilisierer, der allgemein eher bei bipolarer Störung verwendet wird, hat aber auch eine Indikation für Depression. Im Normalfall wird Lithium dann als Unterstützung zu anderen Antidpressiva gegeben. Das funktioniert ziemlich gut und ist besonders wirksam bei der Reduzierung von Selbstmordgedanken, Imppulsivität und Aggressionen. Leider ist es nicht das sicherste Medikament und benötigt normalerweise nervige Bluttests um sicher zu gehen, dass Du die richtige Menge davon bekommst.

Modafinil zeigt einige Versprechen in Hinblick auf Depressionen als unterstützende Strategie und wird in Abschnitt IV weiter unten behandelt.

Dies wäre jetzt auch ein guter Zeitpunkt um nochmals doppelt zu überprüfen, das Du wirklich auf möglicherweise zugrunde liegende Krankheiten wie Schildrüsenunterfunktion und Blutarmut getestet wurdest und dass Du definitv keine bipolare Störung hast oder eine andere Krankheit die sich wie Depression verhält. Oder Du schaust weiter unten in der Liste bei den Veränderungen im Lebensstil und den Nahrungsergänzungsmitteln.

7. Jetzt wirds abolsut ernst

Elektrokonvulsive Therapie hat einen schlechten Ruf von alten Filmen, in denen wir Leute sehen, die sich in der Psychiatrie daneben benehmen und dann sehr schmerzhaft aussehende Elektroschocks bekommen.

Bei der modernen elektrokonvulsive Therapie wird man betäubt. Du bist friedlich am Schlafen, Deine Gliedmaßen zucken überhaupt nicht und es kann auf ambulanter Basis durchgeführt werden wobei der Patient nach der Behandlung wieder nach Hause darf.

Es gibt eine Menge Bedenken bezüglich der Nebenwirkungen. Manche Menschen erleiden einen Gedächtnisverlust, besonders bezogen auf den Zeitraum einige Wochen vor der Behandlung. In den meisten Fällen erlangen die Patienten diese Erinnerungen wieder zurück. Manchmal aber auch nicht. Aber wie sehr willst Du Dich an eine Woche erinnern, in der Du so depressiv warst, dass Du eine EKT brauchtest? Langzeitnebenwirkungen der Behandlung sind weniger genau bekannt. Manche Leute denken dass viele EKT-Sitzungen schlecht fürs Gehirn sind aber wenn dieser Effekt wirklich existiert ist er klein genug, dass die Leute noch immer darüber diskutieren ob es diesen Effekt gibt oder nicht.

Aber die Sache ist, EKT funktioniert wirklich sehr gut. Manche Menschen gelangen an den Punkt wo alles andere versagt hat und sie bereits auf sieben verschiedenen Medikamente waren ohne sich besser zu fühlen und sie bereit sind aufzugeben und dann EKT bekommen und plötzlich anfangen fröhlich Lieder zu pfeifen und Polka zu tanzen. Ich will nicht behaupten, dass es in 100% der Fälle funktioniert, weil keine medizinische Behandlung zu 100% funktioniert. Aber in der Psychiatrie, wo die Erwartungen immer niedrig sind, ist es das näheste Ding zu einer Wunderheilung.

Wo wir gerade über Wunderheilung sprechen, einige Menschen haben mich zu Ketamin befragt. Ketamin zeigt ungewöhnlich schnelle und effektive Wirkung in der Behandlung gegen Depressionen. Es ist jedoch noch sehr experimentell und Dein Arzt oder Psychiater wird nicht in der Lage sein es Dir zu verabreichen außer es wäre der große Zufall dass er einer der wenigen Ärzte ist die mit Ketamin forschen. Außerdem gibt es noch eine Reihe an Problemen bei der Verwendung von Ketamin gegen Depressionen. Erstens, Ketamin ist halluzinogen und zwar in manchmal beängstigender Weise. In Experimenten werden die Probanden betäubt sodass sie die Halluzinationen nicht ertragen müssen. Zweitens, ist unklar wie lange wirksam diese Behandlung ist. Alles was eine Langzeitbehandlung mit Ketamin erfordern würde ( sagen wir, eine Ketamin Dosis pro Woche ) wäre unpraktisch wegen der Halluzinationen und weil die Droge ernst Nebenwirkungen und Abhängigkeitspotential hat. Obwohl es für Forscher äußerst interessant ist, dürfte es für Dich nicht besonders nützlich sein.

So, das ist der Algorithmus, den ich aus einigen Behandlungsrichtlinien herausextrahiert habe. Ich würde empfehlen, dass jeder Patient beobachtet ob sein Arzt sich an diese Bahndlungsrichtlinien hält. Weil ich das Geffühl habe wenn jemand wirklich extrem schwer depressiv ist, bis zu dem Punkt an dem es sein Leben ruiniert, und er um Hilfe bettelt, und sein Psychiater versucht alles Schritte von eins bis sieben, und nichteinmal EKT hilft, dann können sie sagen „ich habe alles ausporbiert was ich kann“ und geben auf und verringern dann ihre Erwartung. Und ein Arzt der diesen Punkt noch nicht erreicht hat, hat keine Entschuldigung.

Wie findest Du einen guten Psychiater?

Ich habe keinen tollen Rat dafür, außer das wenn Du denkst, dass Dein Psychiater schrecklich ist, dass Du möglicherweise Recht hast. Selbst wenn Du nicht Recht hast ist Dein Psychiater offenbar schrecklich für Dich. In diesem Falle suche Dir einen neuen Psychiater und schaue ob dieser besser ist.

Wenn ein Psychiater etwas komplett anderes macht als wie die Behandlung in Teil A des Algorithmus, bitte ihn darum zu erklären warum. Sei bereit jede Erklärung zu akzeptieren denn es ist schwierig Depressionen zu behandeln und es gibt verschiedende gültige Behandlungsansätze. Wenn er sich aber verweigert zu erklären warum und Dir auch noch sagt Du seist eine schlechte Person weil Du nachfragst, dann möchtest Du vermutlich lieber schauen ob Du noch andere Optionen hast.

Es gibt eine Menge Internetseiten mit Arztbewertungen (Jameda ist die bekannteste in Deutschland (Stefan)). Diese Seiten sind meist nicht sehr nützlich. Manchmal gibt es einen Patienten, der ein klein wenig zu lange im Wartezimmer sitzen musste und daraufhin eine persönliche Kampagne startet um jemandes Reputation zu zerstören. Aber andererseits, wenn es dort einen Arzt gibt, der von jedem einzelnen seiner Patienten gehasst wird, kann das ein deutliches Warnzeichen sein.

Menschen in Selbsthilfegruppen zu psychischer Gesundheit sind besonders offen ihre Erfahrungen über verschiedene Psychiater mit Dir zu teilen. Sei nur nicht überrascht wenn Du sie nicht dazu bekommst wieder aufzuhören nachdem Du bereits Deine Information bekommen hast.

Kate Donovan hat eine gute Anleitung auf Englisch wie man einen guten Psychotherapeut findet mit teilweiser Überschneidung wie man einen guten Psychiater findet. ( inwiefern dies auf den Deutschen Markt zutrifft kann ich nicht beurteilen, werde mich aber darin einlesen (Stefan)).

Wie kannst Du einen Psychiater besuchen ohne Dir Sorgen machen zu müssen, dass Du in die Psychiatrie eingeliefert wirst?

Das ist eine Sorge, die ich bei vielen Leuten sehe und das ist etwas, das viele Leute daran hindert zu einem Arzt oder ganz besonders zu einem Psychiater zu gehen. Ich denke, dass es in Wirklcihkeit viel seltener geschieht als in den Befürchtungen der Leute, aber manchmal passiert es wirklich und genügend Leute vermeiden deshalb sich Hilfe zu suchen. Das ist Grund genug das kurz zu diskutieren auch wenn es  die meisten Leute gar nicht bekümmern müsste.

Der erste und wichtigste Punkt ist, das sehr sehr wenige Psychiater, egal ob gut oder schlecht, Patienten in die Psychiatrie einliefern lassen, außer sie sind wirklich schwerst krank. Selbst wenn du sehr krank bist gibt es nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass Dich ein Psychiater gegen Deinen Willen in die Psychiatrie einliefern lässt außer Du sagst exakt die falschen Worte.

Ärzte und Psychiater sind gesetzlich dazu verpflichtet, Patienten in die Psychiatrie einweisen zu lassen, wenn diese Patienten „eine Gefahr für sich selbst oder für andere“ sind. Normalerweise bedeutet das, dass ein Patient sagt, dass er Selbstmord begehen will und dass er es wahrscheinlich schon ziemlich bald tun will oder der Patient sagt, dass er jemand anderen verletzten wird ( oder anders gesagt „er wird bekommen was er verdient“ ) und es nicht ganz sicher im übertragenen Sinne gemeint war. Auch Menschen die sehr stark paranoid sind, können in die Psychiatrie eingewiesen werden. Dies ist kann dann der Fall sein, wenn der Patient eine große Verschwörung gegen sich wittert oder der Patient sich weigert zu essen. Und nicht zu essen bedeutet letztendlich auch den Tod.

Ein guter Psychiater wird zwischen vagen suizidalen Gedanken ( „Manchmal fühle ich mich als wäre das Leben nicht mehr Lebenswert, Sie verstehen was ich meine?“ ) und spezifischen Selbstmordgedanken ( „Ich werde mich morgen mit der Pistole, die hinten im Garten versteckt ist, umbringen“ ) unterscheiden. Im ersteren Falle wird er versuchen Dir zu helfen im zweiten Fall wird er Dich gezwungenermaßen in die Psychiatrie einweisen. Ich kann Dir nicht garantieren, dass Du einen guten Psychiater haben wirst.

Bis Du sicher bist, dass Dein Psychiater vertrauenswürdig ist, möchtest Du vielleicht Aussagen vermeiden, die selbstmörderisch, mörderisch oder paranoid erscheinen könnten. Selbst im Spaß gemeint. Oder ganz besonders wenn es spaßig gemeint ist. Bis Du absolutes Vertrauen zu Deinem Psychiater hast solltest Du Scherze über Selbstmord oder Mord genauso handhaben wie Du bei der Flughafensicherheitskontrolle Scherze über Terrorismus handhaben würdest. Ich kann dies gar nicht überbetonen. Falls Du es nicht für Dich selbst tun willst, tue es für den Psychiater des psychiatrischen Krankenhauses der es Leid ist von allen seinen neuen Patienten zu hören „ich sollte gar nicht hier sein, ich schwöre, das war nur ein Scherz!“.

Wenn Du tatsächlich suizidal, mordlustig oder paranoid bist, aber Du Dir absolut sicher bist, dass Du keine akute Gefahr für Dich selbst oder jemanden anderen darstellst, und Du Deinem Psychiater genug vertraust um ihm davon zu erzählen, dann stelle sicher, dasss Du Deine Sätze so formulierst, dass es nicht nach einer akuten Gefahr für irgendjemanden klingt. Zum Beispiel „Manchmal fühle ich mich als wäre es besser wenn ich tot wäre… ABER ICH WERDE DEFINITIV KEINEN SELBSTMORD BEGEHEN WEIL DAS MORALISCH FALSCH WÄRE UND MIR IST MEINE FAMILIE SEHR WICHTIG UND ICH WILL LEBEN!!!“. Oder „Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich alle Leute gegen mich verschworen haben… ABER ICH WEISS, DASS DAS IN WIRKLICHKEIT GAR NICHT STIMMT!!!“.

Das sollte Dich relativ gut vor einer unfreiwilligen Einweisung in die Psychiatrie schützen. Außer Du hast einen wirklich miserablen Psychiater.

III. Veränderung Deines Lebensstils

Nicht jeder kann oder will zu einem Arzt gehen und selbst diejenigen, die zu einem Arzt gehen, möchten eventuell proaktiv Dinge nebenher ausprobieren. In diesem Abschnitt behandle ich einige Veränderungen Deines Lebensstils, die hilfreich sein können.

1. Therapiere Dich selbst

Wenn Du nicht zu einem Therapeuten gehen kannst oder willst, ist ein therapeutisches Arbeitsbuch die praktische Alternative. Das Buch Cognitive Behavioral Workbook for Depression* (kognitive Verhaltenstherapie bei Depressionen, das Buch ist leider nur auf englisch verfügbar, es gibt ähnliche Titel auf Deutsch*, ich habe aber nicht genau das gleiche Buch auf Deutsch gefunden (Stefan)) hat eine 4,3 von fünf Sterne Bewertung auf Amazon, was wie ich vermute irgendwie einen Beweis für die Wirksamkeit darstellt. Viele schlaue Leute betrachten diese Art der Selbsthilfebücher etwas herablassend. ( „Wirklich? Muss ich aufhören immer alles zu einer Katastrophe zu machen? Ich hätte niemals von selbst an so etwas gedacht!“ ) aber andere genauso schlaue Leute finden diese Bücher hilfreich. Entweder weil diese neue Einsichten beinhalten oder weil diese bereits Bekanntes neu verpacken, wiederholen und daran erinnern was Du bereits schon wußtest. Für nur 3 Dollar für ein gebrauchtes Exemplar, das ist ungefähr 1% der Kosten jeder anderer Methode, die Du ausprobieren könntest. ( In Deutschland ist das Buch für 17€ bis 23€ zu haben. Im Vergleich zum Preis einer einzelnen privaten Therapiestunde ist das immer noch super günstig (Stefan)).

2. Schlaf

Ich denke dieser Punkt ist extrem wichtig!

Depression ist in eigenartiger Weise mit dem Zirkadianem Rhytmus und dem Schlaf verbunden. Schlechte Schlafgewohnheiten sind möglicherweise ein Auslöser für Depressionen und verschärfen diese noch. Bedauerlicherweise verursacht und verschärft Depression oft Schlafprobleme, sodass es zu einem Teufelskreis kommt.

In einer aktuellen Studie, in der Teilnehmer eine kognitive Verhaltenstherapie gegen Schlafstörungen erhalten hatten, hatten diese eine doppelt so Hohe Erholungsrate von ihrer Depression als Personen, die diese Therapie nicht erhalten hatten. Dies weist daraufhin, dass Schlaflosigkeit zu behandeln eine der stärksten Behandlungsmöglichkeiten ist, die bekannt ist. Dieser Weg ist ernsthaft zu wenig erkundet und wirklich sehr viel versprechend.

Die kognitive Verhaltenstherapie gegen Schlafstörungen besteht zu einem Teil aus grundlegenden Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie um Wahrnehmung und Glaubenssätze zu verändern und zu einem anderen Teil aus den Dingen, die Dir Deine Mutter über das Schlafen, in dunklen Räumen und direkt davor keine aufregenden Fernsehsendungen zu sehen, beigebracht hat. Für diese Therapie gibt es ebenfalls ein günstiges Selbsthilfe Arbeitsbuch* mit einer 4,6 von 5 Sterne Bewertung auf Amazon. Du kannst alle spannenden high-tech Schlafzyklen-korrigierenden Dinge hinzufügen, die Du kennst, von Melatonin und Magnesium bis zu dem was dieses Buch Dir sagt.

3. körperliche Bewegung / Sport

Ich arbeite in einem psychiatrischen Krankenhaus. Einmal in der Woche leitet ein Sozialarbeiter eine Übungsgruppe an und es ist erstaunlich wieviel besser es allen an diesem Tag geht verglichen mit dem Tag davor und danach. Körperliche Anstrengung scheint die Freisetzung von BDNF zu erhöhen, ein wichtiger Botenstoff im Gehirn von dem Depressive nicht ausreichend davon haben. Außerdem gibt es zahlreiche Studien die einen positiven Effekt zeigen.

Eine halbe Stunde zügiges Laufen für fünf Tage in der Woche scheint genug zu sein damit es hilft. Mehr Training könnte mehr helfen. Und sportliche Betätigung im Freien versorgt Dich mit mehr Sonnenlicht und Vitamin D. Der Zusammenhang von Vitamin D zu Depressionen wird kontrovers diskutiert, aber es kann Dir aber auch nicht schaden etwas Sonne und damit Vitamin D ab zu bekommen. (ein sehr gutes Buch zu diesem Thema ist Laufend Gesund von Dr. Strunz* (Stefan))

4. Licht Therapie

Bei der Lichttherapie hängst Du für eine Weile in der Nähe sehr heller Lampen herum, in der Hoffnung, dass diese Dich etwas fröhlicher machen. Das Coachrane Institut und eine Meta-Analyse in einer großen Zeitschrift für Psychiatrie stimmen dem zu, mit recht robusten Ergebnissen. ( obwohl es immer noch unsicher ist ob die Lichttherapie für jemanden zusätzlich nützlich ist, der bereits Antidepressiva erhält. )

Experten empfehlen ein Lichttherapiegerät mit mindestens 1.000 Lux Helligkeit. Das hier ist ein sehr offiziell aussehendes Gerät* das rund 500€ kostet und  hier ein etwas günstigeres Gerät*, das etwa gut 100€ kostet. ( Ich persönlich nutze ein 10.000 Lux Lichttherapiegerät von Philips* (Stefan)). Aber nehme diese nicht als Empfehlung, ich wiederhole nur was in der Amazon Suche auftaucht.

Am besten soll es sein, das Gerät etwas oberhalb Deiner Sichtlinie aufzustellen, sodass Deine Gehirnzellen es interpretieren als wäre es die oben stehende Sonne und morgens mindestens eine halbe Stunde davor zu sitzen. Die Mayo Klinik hat noch eine genauere Beschreibung für Dich wie man ein Lichttherapiegerät anwendet.

5. Drogen sind schlecht für Dich, okay?

Die Simpsons beschreiben die Rolle von Alkohol bei der Behandlung von Depressionen weitaus besser als ich das könnte: „Es gibt nicht besseres als ein Depressivum um Depression zu kurieren.“ Außer dass ich denke, dass es sarkastisch gemeint war, und viele Patienten zu ernst für Spaß sind.

Alkohol hilft Dir möglicherweise Deine Depression eine Weile zu vergessen aber auf lange Sicht macht es Dich nur depressiver. Wenn Du Alkohol missbrauchst, hör damit auf.

Benzodiazepine ( Tavor, Lorazepam, Xanax, Klonopin ) sind, wieder einmal, gute Kurzzeitlösungen gegen Angst. Wenn Du sie missbrauchst werden sie möglicherweise zu Deiner Depression beitragen.

Raucher haben eine doppelt so Hohe Depressionsrate wie Nichtraucher. Es gibt viele Debatten darüber ob das Rauchen dafür ursächlich ist oder nicht, aber einige ausgeklügelte statistische Modelle scheinen darauf hinzuweisen, dass es tatsächlich einen Zusammenhang gibt. Außerdem ist es auch sehr deprimierend Lungenkrebs zu bekommen.

Ich kenne keine Studien die Heroin oder Kokain mit Depressionen in Zusammenhang bringen, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit werden diese Drogen Dein Leben in eine ziemlich deprimierende Richtung lenken.

Offensichtlich sind all diese Drogen schwer abzusetzen und Du brauchst dazu möglicherweise die Hilfe eines Arztes.

6. Andere Dinge, die Dich glücklich machen

Cure Together ist eine wirklich tolle Webseite, auf der Menschen mit Krankheiten alles aufzeichnen was sie ausprobiert haben, sowohl aus medizinischer Sicht als auch nichtmedizinisch, und wie wirksam es sich herausstellte. Die Seite entspricht ganz offensichtlich nicht den gut kontrollierten Bedingungen einer Studie aber bietet dafür eine riesige Datenmenge und ist eine brauchbare Quelle um Informationen zu erhalten. Du findest Die Übersicht zu Depressionen hier.

Beim ersten Blick darauf sieht man schon, dass körperliche Betätigung und Schlaf ganz oben an der Spitze der hilfreichen Dinge steht. Aber die Leute nennen auch Dinge, an die eher wissenschaftlich geneigte Personen möglicherweise gar nie denken würden wie z.B. sein Haustier zu streicheln, Musik zu hören oder lustige Fernehsendungen zu schauen.

IV. Nahrungsergänzungsmittel

Trotz bester Absichten, denke ich, werden viele Leute Abschnitt II und III überspringen und hier unten beginnen. Ich denke, das ist ein Fehler aber ich verstehe, dass depressive Menschen nicht immer die Kraft und Energie haben um Veränderungen am Lebensstil vorzunehmen oder dass es an Willenskraft fehlen kann um den möglicherweise angsteinflößenden Schritt zu gehen einen Psychiater zu besuchen. Also warum nicht, lasst uns Nahrungsergänzungsmittel ausprobieren.

Ein wichtiger Hinweis, Nahrungsergänzungsmittel sind chemisch aktive Bestandteile. Sie können Nebenwirkungen haben. Du solltest recherchieren welches die Nebenwirkungen jeweils sind. Ganz besonders wenn das Nahrungsergänzungsmittel die Metabolisierung eines Medikaments, das du einnimmst, unterbrechen kann! Die Anti-Baby-Pille ist dafür ein gutes Beispiel. Wenn deren Metabolisierung unterbrochen wird, ohne dass Du es bemerkst, kann das sehr schlecht sein. Sei vorsichtig. Wenn Du auch andere Medikamente nimmst sprich mit Deinem Arzt über die Nahrungsergänzungsmittel, die Du nimmst. Nimm keine Nahrungsergänzungsmittel ohne das Okay Deines Doktors ein wenn Du Leber- oder Nierenschäden hast oder aber an einer anderen chronischen Erkrankung leidest.

Und nach diesen mitreißenden Hinweisen hier nun die Liste der Nahrungsergänzungsmittel die vielversprechend bei Depressionen zu sein scheinen, in ungefährer Reihenfolge ihrer Empfehlung.

1. S-Adenosyl Methionin ( SAM-e )

Dies wäre meine erste Wahl wenn Du versuchst Depressionen mit Nahrungsergänzungsmitteln zu behandeln. Es hat eine gute Beweislage, starke Wirkung und Effekt und ist auch ziemlich sicher in der Verwendung und es ist bei Amazon für nur 20€ pro Becher* zu haben. Es wirkt wahrscheinlich sowohl als Alleinmittel als auch als Zusatz zu Antidepressiva, obwohl es nur teilweise Beweise für die erstere Aussage gibt. Ein Experiment erbrachte gute Ergebnisse mit 800mg, zweimal am Tag über sechs Wochen, aber abgesehen von diesem Experiment ist die richtige Dosierung eine reine Vermutung.

2. Kreatin

Ja, das selbe Zeug was Bodybuilder* nehmen. Eine randomisierte kontrollierte Studie fand gute Ergebnisse bei 5 Gramm pro Tag. Wahrscheinlich ist es wirksamer bei Menschen, die sich Protein-arm ernähren ( z.B. Vegetarier und Veganer ) und möglicherweise wirksamer bei Frauen.

3. Folsäure oder L-Methylfolat

Folsäure* ist eine Form Vitamin B9, das die meisten Menschen mit dem Essen aufnehmen. Mehrere randomisierte kontrollierte Studien haben positive Effekte dafür gefunden Folsäure zu Antidepressiva dazu zu nehmen, obwohl Beweise für Folsäure alleine noch immer fehlen. Manche Menschen mit einer mutierten Version des Gens MTHFR sind nicht in der Lage Folsäure vernünftig zu metabolisieren und erhalten möglicherweise besserer Resultate mit einer „optimierten“ Version namens L-Methylfolat*. Eine psychiatrische Medikamentierung die allgemein bei behandlungsresistenter Depression verschrieben wird, Deplin, ist L-Methylfolat, aber die Nahrungsergänzung ist exakt genau das Gleiche. 5 – 15 mg pro Tag scheint die übliche Dosis zu sein obwohl viele Mittel weniger davon zu enthalten scheinen.

4. Safran

Ja, das Gewürz. Ich hatte selbst noch nie davon gehört bis ich auf examine.com darauf gestoßen bin. Aber es scheint zu helfen. Fünf verschiedene randomisierte kontrollierte Studien fanden heraus, das Safran effektiver ist als ein Placebo und genauso effektiv wie ein konventionelles Antidepressivum. Amazon scheint damit überflutet zu sein* seit Dr. Oz offenbar sagte, dass es hilfreich sei um Gewicht zu verlieren. Achtung: Safran ist nicht für schwangere Frauen geeignet, da es zu einem Schwangerschaftsabbruch kommen kann. ( Safran soll ab 20 Gramm sogar tödlich sein. Aufgrund des hohen Preises für Safran wirst Du aber wahrscheinlich nie mehr als 5 Gramm zuhause haben (Stefan)).

5. Omega 3 Fisch Öl

Viele Leute sind sehr begeistert davon, darunter auch examine.com. Ich bin ein bisschen Skeptischer. Es gibt eine ganze menge Studien die darauf hinweisen, dass Fischöl die Stimmung bei Depressionen verbessern kann, es gibt aber auch viele Studien die keinen Effekt nachweisen konnten. Außerdem ist Fischöl kompliziert zu handhaben. Die meisten der verkauften Pillen enthalten nicht genug davon um gut zu wirken und wenn Du es nicht richtig aufbewahrst dann wird das Öl ranzig und ist damit schlechter als wenn Du nichts nehmen würdest. ( Meine persönliche Meinung unterscheidet sich davon deutlich, ich habe sehr gute Erfahrungen mit Omega 3 Fischöl gemacht und nehme es immer noch. Die genannten Probleme kann man umgehen indem man molekular destilliertes Omega 3 kauft. Das ist frei von Schwermetallen und wird nicht so schnell ranzig. In verschiedenen Büchern, die ich gelesen habe steht, dass man mindestens 1 Gramm pro Tag zu sich nehmen muss um eine Wirksamkeit bei Depressionen zu erzielen. Ich persönlich empfehle folgendes molekular destiliertes Omega 3* (Stefan))

Stattdessen, würde ich lieber viel Fisch essen. Der Anteil depressiver Menschen an der Gesamtbevölkerung ein einem Land korreliert extrem deutlich mit der Menge an Fisch, die in einem Land verzehrt wird. Zwei Lachsgerichte pro Woche wären ein guter Anfang. ( Laut Stiftung Warentest enthält Fisch heutzutage, besonders Zuchtfisch, zuwenig Omega 3, um 1 Gramm Omega 3 pro Tag zu erreichen. Ich würde also eher auf Omega 3 Kapseln setzen und zusätzlich zweimal die Woche Fisch essen (Stefan)).

6. -afinil

Modafinil ist eine Wunderdroge, die für praktisch alles verwendet wird, sowohl legal verschreibungspflichtig als auch illegal ohne Verschreibung. Es war nur eine Frage der Zeit bis es jemand gegen Depressionen ausprobiert und es scheint ziemlich gut dagegen zu helfen, zumindest als Beigabe zu Antidepressiva. Es gibt weniger Studien die besagen, dass es auch alleine wirkt. Ich würde vermuten, dass es auch alleine wirkt, weil der wahrscheinlichste Wirkmechanismus die Aufmerksamkeit und Energie steigert, was ziemlich hilfreich gegen die Müdigkeit und Erschöpfung bei einer Depression sein kann. Das stärkste Argument gegen Modafinil ist, dass eine plausible Erklärung für die Wirkung gegen Depressionen noch fehlt und man in Wirklichkeit damit vielleicht nur die Symptome, nicht aber die Ursache behandelt. Das stärkste Argument dafür ist, dass es die Symptome der Depression ziemlich gut behandelt. Außerdem ist es noch wichtig anzumerken, dass Modafinil den Schlafzyklus stört und ein gestörter Schlafzyklus bei Depressionen sehr schlecht ist. Deshalb sollte man es zu Beginn des Tages am Morgen nehmen. Wenn Du trotzdem nicht schlafen kannst, reduziere die Dosis.

Modafinil ohne Verschreibung vom Arzt ist illegal, aber jeder im Internet verkauft es trotzdem. ( Ich würde niemandem empfehlen Medikamente im Internet bei unseriösen Quellen zu kaufen!! (Stefan)). Adrafinil ist eine Vorstufe des Medikaments, das sich in Modafinil umwandelt sobald es sich im Körper befindet. Es ist in Amerika frei verkäuflich ohne dass es von einem Arzt verchrieben werden muss. So weit ich es beurteilen wird die Gefahr eines Leberschadens durch das Medikament weit übertrieben. ( Achtung: Sowohl Modafinil als auch Adrafinil sind in Deutschland verschreibungspflichtig und nicht frei verkäuflich. Ich würde diese Empfehlung gerne streichen, habe den Abschnitt zu -finil aber der Korrekheit der Übersetzung wegen stehen gelassen. (Stefan))

7. Andere Sachen

Dinge, die ich interessant finde aber die widersprüchliche Studienevidenz haben oder aber keinen eigenen Abschnitt im Artikel rechtfertigen sind: Lithium Orotat mikrodosiert, Rhodiola, Vitamin D, Zink und Kurkuma. Recherchiere selbst danach schau was Du darüber denkst.

Nicht gerade ein Nahrungsergänzungsmittel, aber ich bin ziemlich sicher, dass man Botox ohne Verschreibung vom Arzt bekommt. Und wenn es richtig angewendet wird soll es wohl beträchtlich gut helfen können.

Was ist wenn Du Antidepressiva illegal ohne Verschreibung kaufen willst?

Hmm, Du wirst dabei wahrscheinlich nicht erwischt werden Und Du wirst Dich damit wahrscheinlich auch nicht umbringen wenn Du halbwegs gut informiert an die Sache ran gehst. Ich kann es aber auf keinen Fall guten Gewissens empfehlen so etwas zu tun, aber ich bin sicher, dass es eine Reihe Leute gibt, die darüber nachdenken. Fühle Dich mit einem ernst dreinschauenden Gesicht bedacht und beachte zumindest diesen Rat falls Du tatsächlich diesen Weg auf eigene Faust beschreiten willst:

Nehme absolut und auf gar keinen Fall Trizyklische Antidepressiva!! ( Hinweis: wenn es auf -pramin endet ist es ein trizyklisches ) Trizyklische Antidepressiva sind wirklich ernsthaft gefährlich. MAOIs ohne Verschreibung einzunehmen ( Phenelzin, Trancyclopramin ) ist die allerschlechteste Idee und Du wirst sterben! ( Anmerkung: Einige frei verkäufliche Medikamente, die sich angeblich „MAOI-ähnlich“ verhalten oder „reversible MAOIs“ sein sollen, sind, soweit ich sagen kann, sicher, auch wenn ich nichts über deren Wirksamkeit sagen kann. Nehme einfach nur keine echten MAOIs!. Ich denke kaum einer verkauft Antipsychotika ohne Verschreibung im Internet aber auch diese sind eine wirklich ganz schlechte Idee. Wenn Du wirklich darüber nachdenkst Dir Medikamente ohne Verschreibung zu besorgen und meinen Rat, Medikamente nur mit Verschreibung zu nehmen, nicht akzeptieren willst, dann lass mich Dich wenigstens dazu überreden ein normales und relativ harmloses SSRI zu nehmen und keine gefährlichen Sachen.

Aus seltsamen politischen Gründen ist Tianeptin, ein wohl gut anerkanntes ausländisches Antidepressivum, kein verschreibbares Medikament in Amerika. Ich denke es ist illegal aber jeder verkauft es überall im Internet, sogar auf seriösen Seiten, die es nichteinmal wagen würden normale Antidpressiva zu verkaufen. Es hat einen großen Fanclub im Internet der darauf schwört und es hat weniger Nebenwirkungen als viele der anderen Antidepressiva Klassen. Es ist beziehbar über nootricsdepot, einen Anbieter, den ich sehr schätze. Wenn Du keine normalen Nahrungsergänzungsmittel im Dorgeriemarkt kaufen kannst wie ein normaler Mensch, dann könnte das Dein zweitbester Versuch sein. ( Ich rate dringend davon ab verschreibungspflichtige Medikamente im Internet zu kaufen (Stefan)).

V. Andere Dinge

Eine unbehandelte depressive Episode dauert im Durchschnitt 6 Monate. Menschen, die eine depressive Episode hatten, haben eine 80% große Chance in Ihrem Leben eine weitere depressive Episode zu erleiden. Ein durchschnittlicher Mensch mit manifester depressiver Störung bekommt vier depressive Episoden während seines gesamten Lebens. Ziehe diese Statistiken mit in Deine Betrachtung ein wenn Du entscheidest wie proaktiv Du mit Deiner Behandlung umgehen willst.

Menschen mit Depressionen haben ein 2% Risiko, dass sie Selbstmord begehen, dies hängt aber weitgehend von der schwere der Depression ab. Die meisten Menschen, die einen Selbstmordversuch begehen, bereuen es später und leben wieder ein genießbares und glückliches Leben. Wenn Du Dich suizidal fühlst gibt es Notrufnummern die Du anrufen oder mit denen Du chatten kannst. ( Die Notrufnummer in Deutschland lautet 112 für den Notruf oder 0800 / 111 0 111 für die Telefonseelsorge. Die Telefonseelsorge ist auch per Chat und Email erreichbar (Stefan)). Du kannst auch in die nächste Notaufnahme im Krankenhaus Deines Ortes gehen und dort um Hilfe bitten. Achtung: Das wird vermutlich dazu führen, dass Du ein paar Tage in der Psychiatrie verbringen musst. ( Das ist aber nicht weiter schlimm, im Gegenteil, es wird Dir in Deiner Notlage sogar sehr gut weiterhelfen (Stefan)).

Wenn Du Dich sehr suizidal fühlst, und Dir selber nicht vertraust, dass Du etwas versuchen könnest, dann ist es Dich in ein psychiatrisches Krankenhaus einliefern zu lassen, Deine beste Chance. Der durchschnittliche Aufenthalt in der Psychiatrie in so einem Fall beträgt zwei bis sieben Tage. Zwei Wochen sind selten. Einer ganzer Monat kommt praktisch nie vor. Dort bekommst Du im Normalfall hohe Aufmerksamkeit von Ärzten, Schwestern und Sozialarbeitern und es gibt strikte Regeln, die Dir bestimmte Rechte zusichern (z.B. können Dir nicht die Dinge des täglichen Lebens verweigert werden und Du wirst auch nicht in eine Art Gefängnis oder Einzelhaft eingesperrt werden ohne dass besonders gut dokumentiert wurde dass Du sehr gefährlich bist.) Psychiatrie Patienten können keine Nicht-Notfall-Medikamente oder andere Behandlungsmethoden gegen Ihren Willen verordnet werden (außer es gibt einen Gerichtsbeschluss dazu). Psychiater in der Psychiatrie sind in der Regel sehr trickreich den Patienten dazu zu drängen seine Medikamente zu nehmen. In der Realität werden nur sehr wenige die Schwierigkeit auf sich nehmen um einen Gerichtsbeschluss zu erhalten außer der Patient ist sehr gefährlich. Menschen beschweren sich am häufigsten darüber, dass es in der Psychiatrie laut ist (ist es) und dass sie nicht gehen können wann sie es wollen (ist so) und dass es dort ein paar angsteinflößende Leute gibt (stimmt auch, aber die wenigsten davon sind gefährlich). Gute psychiatrische Krankenhäuser werden Prozeduren in Kraft haben um diese Probleme zu minimieren. Z. B. gibt es einen großen Trend hin zu privaten Räumlichkeiten. Meiner Erfahrung nach werden suizidale Patienten, die in die Psychiatrie gehen, sehr schnell weniger suizidal und werden auf eine gute Dosis antidepressiver Medikation eingestellt und sind danach froh dorthin gegangen zu sein.

Etwa ein drittel der Patienten wird sich auf Ihrem ersten Antidepressivum innerhalb von drei Monaten komplett erholen. Einem weiteren Drittel wird es nach dieser Zeit etwas besser gehen ( >50% Minderung der depressiven Symptome) Ein weiteres Drittel wird leider keine Verbesserung bemerken.

Aber das Endergebnis wird besser je mehr Sachen man ausprobiert hat. Laut STAR*D, die einen Algorithmus ähnlich dem von mir genannten getestet haben, sagen das beim letzten Schritt das Algorithmus 70% der Patienten komplett geheilt waren und viele mehr eine deutliche Symptomreduktion erfahren haben.

Das ist kein durchschlagender Erfolg, weil die durchschnittliche depressive Episode nur sechs Monate dauert und die Studie brauchte mehr als sechs Monate bis zur Vollendung, was es wirklich schwierig macht herauszufinden welchen Anteil an der Verbesserung die Medikamente hatten. Die Antwort scheint „ein bisschen und möglicherweise“ zu sein. Aber ich möchte hinzufügen, dass in den Studien, die Patienten, die mit Medikamenten behandelt wurden, eine geringere Rückfallwahrscheinlichkeit hatten, verglichen mit Patienten, die sich ohne Medikamente alleine durch Abwarten von ihrer Depression erholt hatten.

Ich denke die wichtigste Lektion daraus ist, dass Depressionen mit ausreichender Bemühung behandelbar sind oder aber vorbei gehen bevor man die Chance hat dem kompletten Behandlunsalgorithmus abzuarbeiten. Das ist ärgerlich für die Forschung aber wahrscheinlich problemlos für den Patienten zu akzeptieren. Und wenn es einmal wirkt und Du weißt welches Medikament Dir hilft, kannst Du gegebenenfalls das Medikament noch länger nehmen um die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls zu verringern ( die fortlaufende Behandlung gegen Rückfälle ist ein ganz eigenes Feld, das werde ich hier nicht behandeln ). Und Du kannst wieder mit Medikamenten anfangen wenn Du anfängst Dich wieder depressiv zu fühlen.

Der wichtigste Grund warum ich diesen Text hier schreibe ist, und diese Lektion will ich Dir reinhämmern, dass wenn Dir Dein Arzt einfach ein SSRI verschreibt und Dir sagt Du sollst es weiter nehmen selbst wenn es offensichtlich bei Dir nicht wirkt, dass es noch andere Optionen gibt. Wenn Deine Depression Dein Leben ernsthaft beeinträchtigt, solltest Du diese Optionen erkunden, enweder mit Deinem Arzt, oder mit dem Wechsel zu einem Arzt, der hilfsbereiter ist, oder in letzter Not auf eigene Faust.

Ich hoffe diese Übersetzung hat Dir gefallen. Über Kommentare dazu würde ich mich freuen.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Stefan,
    Deine Website ist sehr interessant und ich bin hier auf etwas gestoßen, was ich auch kennenlernen mußte. Bei meiner letzten schweren depressiven Episode (2015/16) kamen z.T. schwere Angstzustände hinzu. Das war bei den anderen beiden (1994 und 2014/15) nicht so. Interessant zu lesen, dass das eine mögliche „Komplikation“ ist. Ich bin übrigens 53 Jahre alt. Ich nehme seit vielen Wochen keine Antidrepessiva mehr (die haben bei mir eh nicht angeschlagen – obwohl verschiedene ausprobiert wurden) sondern mit Unterstützung meines Psychiaters nur Baclofen. Kennst du das Medikament, oder hast Erfahrung damit? Bei mir reduziert es die Angst- und Depressionssymptome, obwohl es zwischendurch immer mal wieder einzelne Tage mit Durchhängern gibt. Ansonsten ist es bei mir „agitiert“. Viele Stimmungsschwankungen im Laufe eines Tages. Ich bin übrigens noch in Psychotherapie und aktuell komm ich in Kontakt mit meinen Kindheitserinnerungen (u.a. schwere Traumata) und kann sie auch nachfühlen. Das ist neu und anstrengend. Zur Zeit habe ich öfter Krisen, weil ich fürchte ich komm aus den alten Konditionierungen nicht raus. Ich weiss, es kann Jahre dauern…Aber dieses Gefühl ein Opfer zu sein stresst enorm. Vieles dreht sich noch um das eigene Universum und ich habe wenig Ausdauer bei vielen Dingen obwohl ich seit ca. einem 3/4 Jahr wieder mit 33 Stunden am Arbeiten bin. Das gibt mir einen gewissen Halt und Tagesstruktur. Aber das allein reicht auf Dauer nicht. Es sollte schon was „beseeltes“ sein, was einem im Leben begegnet.
    Wenn du Kommentare oder Tips hast, würde ich mich über eine Antwort sehr freuen.
    Ansonsten erstmal danke für deine informative und hilfreiche Website. Da hast du wirklich viel Arbeit und Sachkenntnis reingesteckt. Ich wünschte, ich hätte die Ausdauer…

    Viele Grüße
    Paul

  2. Lieber Paul, bitte entschuldige die späte Antwort. Ich kann Dich gut verstehen. Mich selbst hatte es auch überrascht wie sehr alte Dinge aus der Kindheit das spätere Leben beinflussen können. Das Auflösen dieser Traumata ist aber ein wichtiger und entscheidender Schritt um zu dauerhafter Gesundheit zu gelangen. Der Auflösungsprozess kann eine große Achterbahn sein, aber es lohnt sich durchzuhalten. Ich wünsche Dir alles Gute! Stefan

  3. Hallo 🙂
    Ich habe jetzt auf die Schnelle nicht gefunden, wann der text erschienen ist… allerdings nehme ich seit ’nem knappen Jahr jeden Tag Tianeptin, völlig legal, von der Ärztin verschrieben. Ich weiß, dass es in den Niederlanden (noch) nicht verschrieben wird. Echt schade, ich kann mir gut vorstellen, dass es vielen Menschen helfen könnte. Venlafaxin hat alles nur schlimmer gemacht, habe dan auch den Arzt gewechselt. Der hat die Dosis immer weiter erhöht und das hat mich am Ende ein Jahr gekostet … Viele Nebenwirkungen, also bekam ich auch Valdoxan zum Schlafen.
    Damit bin ich ziemlich zufrieden.

    Wäre auch zu einfach, wenn eine Sorte Medikamente für jeden wirken könnte 😀

    Haltet durch, irgendwann wird es besser 😉

    • Hallo Janina,
      das freut mich zu hören. Ich hatte den Artikel am 24. August 2016 übersetzt, der englische Originalartikel ist vom 16. Juni 2014. Also doch schon wieder eine Weile her, seit der Erstveröffentlichung. Ich kenne bisher nur sehr wenige persönliche Berichte über Tianeptin und freue mich sehr darüber, wenn jemand darüber berichten kann. Ja, das ist eine wahre Kunst, oder eben ein Ausprobieren bis man das richtige Medikament gefunden hat. Ich finde es super, dass Deine Ärztin Tianeptin kennt und auch verschreibt. Die meisten Ärzte verschreiben halt nur das, was sie auch kennen.
      Liebe Grüße
      Stefan

  4. Lieber Stefan!

    Tolle Seite und suuuper Artikel!! Kämpfe seit 11 Jahren gegen Depressionen und seit 3 Jahren kann ich nicht mehr arbeiten. Breche immer ein unter Belastung. Habe schon 5 Jhare Therapie gemacht, es muss also ein besseres Medikament für mich geben, denke ich.
    Habe bisher Citalopram und Fluoxetin ausprobiert und seit 3 Jahren Venlafaxin und Abilify. Aber dennoch wieder depressiv. 🙁 Habe deswegen heute doch mal einen neuen Arzt angeschrieben und Dein Artikel hat mich bestätigt und mir tolle neue Anhaltspunkte für die Medikation gegeben. Danke Dir ! LG Dennis

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